Ein Gespräch mit unserem Unternehmensgründer 

30 Jahre LETZNER – wir haben allen Grund zum Feiern.
Zu gerne hätten wir unser Jubiläum groß gefeiert, da dies aktuell leider noch nicht möglich ist, schwelgen wir zunächst in Erinnerungen.

Anlässlich unseres Firmenjubiläum habe ich unserem Firmengründer Hans-Hermann Letzner ein paar Fragen gestellt und durchaus interessante Antworten bekommen. Wir haben über die Anfänger der Firma gesprochen, auch seine berühmt-berüchtigten Bewerbungsgespräche und die Aufgaben eines Kapitäns waren Thema.

Aber lesen Sie selbst, wie die Anfänger der Firma LETZNER aussahen.

Hans-Hermann Letzner und Jana Lankenau

Jana:
Hallo Hans-Hermann, wie ich direkt am Anfang meiner Zeit bei LETZNER gehört habe, hat die Anrede mit dem Vornamen gerade bei den Berufsanfängern, Praktikanten und Azubis für viel Aufsehen gesorgt. So sagten Sie jedes Mal „…wenn Sie mich nicht Hans-Hermann nennen, dann nenne ich Sie auch Frau/Herr …!“ Gab es denn schon viele Berufseinsteiger vor 30 Jahren?

Hans-Hermann:
Hallo Jana, in der Tat gab es die. Zwar waren die ersten Mitarbeiter sehr erfahren und wurden gleich Prokuristen als Leiter der Technik und Leiterin der Verwaltung, aber gleich die dritte Mitarbeiterin war frisch von der Fachhochschule Lippe und für den Vertrieb verantwortlich.

Jana:
Erzählen Sie doch mal, wie sahen die Anfänge aus?

Hans-Hermann:
Aufgrund des hohen Nachholbedarfs in der ehemaligen DDR, die Pharmafirmen mussten zügig den europäischen Standard einführen, hatten wir extrem viel zu tun. Die Verträge, auch die über eine halbe Million DM, wurden noch per Handschlag gemacht.
Ich wurde von einem Kunden zum Reiten eingeladen, mit einem anderen Kunden haben wir uns im Urlaub auf einen Campingplatz auf der Halbinsel Zingst getroffen. Auch gab es mit einem Kunden ein Motorrad-Wochenende am Gardasee.

Geschäft ist Geschäft und Schnaps ist Schnaps, es wurde trotzdem hart und fair verhandelt.

Jana:
Das klingt interessant, wie ging es weiter?

Hans-Hermann:
Das Geschäft entwickelte sich rasant und wir wurden ein buntes, internationales Team.
Jung und alt, Rentner:innen, Frauen und Männer. Eine Türkin, ein Franzose, ein Spanier, ein Afghane, ein Amerikaner, ein Ukrainer, ein Pole, noch ein Spanier, noch ein Pole, eine Griechin, ein Franke (lacht), ein Bayer, ein Berliner, etc.

Jana:
Seit Ende 2019 sind sie im wohlverdienten Ruhestand, sodass wir beide leider kein gemeinsames Bewerbungsgespräch mehr führen konnten. Die Bewerbungsgespräche mit Ihnen sollen etwas Besonderes gewesen sein, sehen Sie das auch so?

 

„Am Ende des Tages ging es aber fast nur darum herauszufinden,
ob die Person ins Boot passt.“

 

Hans-Hermann:
Ja, ich habe über Jahrzehnte in jedem Gespräch immer ein, zwei Dutzend völlig identische Fragen formuliert. Es gab aber Fragen die ich seit ca. 10 Jahren nicht mehr stelle, weil heute kaum ein Ingenieur den Unterschied von einen Zweitaktmotor zu einem Viertaktmotor, schon gar nicht zu einem Wankelmotor kennt.
Aber es gab durchaus verrückte Erlebnisse. Ein promovierter Ingenieur der Verfahrenstechnik war nicht in der Lage das Volumen von meinem Büropapierkorb zu berechnen, beim Schätzen lag er dann um den Faktor 10 daneben. Pi, war einem Bewerber nicht bekannt, auch wurde Mal behauptet mein Taschenrechner würde falsch rechnen.

Stellte sich nach den ersten 5 bis 10 Minuten heraus, dass es nicht passt habe ich den Bewerbern noch einen Tipp für weitere Gespräche gegeben und ihn oder sie verabschiedet.
Am Ende des Tages ging es aber fast nur darum herauszufinden, ob die Person ins Boot passt.
Ich hätte auch einen Pastor als Projekteiter eingestellt, wenn er eine Bereicherung fürs Team gewesen wäre. Der Vergleich hinkt, aber so wurde eine Apothekerin zur Projektleitern und später zur Abteilungsleiterin für die Projektabteilung.

Jana:
Was sprach damals außerdem für LETZNER?

Hans-Hermann:
Damals waren solche Anlagen grundsätzlich aus Kunststoff, wir haben jedoch von Anfang an alles in Edelstahl gebaut. Abgesehen davon, dass die Anlagen nach 20 Jahren meistens wie neu aussahen, half es uns bei der allgemeinen Marktumstellung auf Anlagen welche bei 80 °C heiß sanitisiert werden können.

Jana:
Wurden die Anlagen in der Anfangszeit nur in Deutschland verkauft? Noch heute befindet sich der Großteil der Kunden im Raum DACH.

Hans-Hermann:
Überraschenderweise gab es schon bald viele Projekte in Ungarn, Frankreich, der Ukraine und Spanien.
In diesen Fällen kamen die Kontakte über Messen, wie die Achema und über deutsche Generalunternehmer, welche komplette Fabriken in der Ukraine gebaut haben. Aber die Welt ist klein, tatsächlich hat die Mutter von dem ukrainischen Mitarbeiter in einem Betrieb gearbeitet, den wir beliefern durften.

Hans-Hermann Letzner auf der Achema 2018

Jana:
Dieses Jahr feiern wir unser 30-jähriges Firmenjubiläum. Woran denken Sie gerne zurück?

 

„Ich war nur der Kapitän, es brauchte alle im Boot, wenn mal
zurückgerudert werden musste.“

 

Hans-Hermann:
Es war natürlich sensationell zu sehen, wie sich die jungen Leute entwickelt haben. Zu helfen über den eigenen Schatten zu springen und eigenverantwortliches Handeln zu fördern. So denke ich manchmal an unseren ersten Azubi zurück. Zunächst wurde er Ausbilder für unsere Azubis, dann Techniker. Heute ist er für unseren kompletten Schaltschrankbau verantwortlich und unter anderem der absolute Experte für unser TOC Messgerät LetzTOC.

Mir war es wichtig als Chef nicht alles zu können und zu wissen. Wenn jemand in meinem Büro stand, die Tür war immer offen, und eine Frage hatte, kam von mir als Reaktion die Frage:„Und wie sehen sie das…?“ In den meisten Fällen hatte der Mitarbeiter schon die Antwort. Bewundert habe ich auch die Fähigkeit meiner Mitarbeiter die große Verantwortung bei ihrer Arbeit zu tragen. Ich war nur der Kapitän, es brauchte alle im Boot, wenn Mal zurückgerudert werden musste.

Jana:
Und wie sehen Sie die Zukunft von diesem Boot und seiner Crew?

Hans-Hermann:
Vor langer Zeit ist ein junger Steuermann an Bord gekommen, der nun seit einigen Jahren Kapitän ist. Neue Besen kehren gut, auch international geht es sehr gut voran, typisch für den deutschen Mittelstand Weltmeister in einer Marktnische zu sein. Nicht zu vergessen, es gibt bei LETZNER ein neues Patent, welches zur Herstellung von WFI  (Wasser für Injektionszwecke) mittels Membrantechnik neue Türen öffnet, da viel Energie gespart wird und wir technologisch wieder eine Nasenspitze weiter vorne sind. Die Erzeugung über Destillation war die bisherige, sehr energieintensive Technologie, die weiter ihre Berechtigung hat und welche wir auch weiter optimieren.

Jana:
Vielen Dank für Ihre Zeit, Hans-Hermann und weiterhin alles Gute.

 

Hans-Hermann Letzner ist 2019 in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. So ganz weg war er allerdings nie. Bis heute hört man bei uns die ein oder andere Anekdote aus den Hans-Hermann-Zeiten und das ist auch gut so.

 

 

Bildquelle: unsplash.com

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